Band II der Anthologie: Motivation durch Negation. Eine Anthologie der Angst in drei Bänden.

Im Erscheinen 2021.

 

Mit diesem Band wird eine hermeneutische Tour d’horizon durch ethisch-ästhetische Aspekte und Fragen soziokultureller Wahrnehmung von Schmerz als probatem Mittel zu Disziplinierung und Ausübung von Macht im Alltag vorgelegt. Beispielhaft wird hierbei der Erfolg des Weltbestsellers Fifty Shades of Grey von E. L. James als Ausdruck der Konsensfähigkeit von Schmerzen innerhalb der Partnerschaft zur Überbrückung zwischengeschlechtlicher Differenzen hinterfragt. In dieser Hinsicht möchte Erfolg durch Schmerz jedoch nicht als postfeministisches Erzeugnis begriffen werden.

Die Autorin Samira El Ouassil möchte Gewalt wieder als elementares Erlebnis der zwischenmenschlichen Kommunikation fass- und nutzbar machen. Das erlaubt sich nicht überall so leicht wie im Roman Fifty Shades of Grey, welcher bei aller Gewichtigkeit eben auch jene gefälligen Primärreize aussendet, die eine rein ornamental-narrative und nicht tiefer schürfende Aneignung einfach machen, weshalb El Ouassil ebenso exemplarisch die Werke gotischer Meister heranzieht aus denen in der dargestellten Gewalt der Kreuzigung Christi stets auch „ein geradezu rührendes, positives inneres Sicherheitsgefühl” spricht. In den Schlußkapiteln greift sie in heiterer Gelassenheit die Rehabilitierung des Marquis de Sades durch Foucault auf und belegt mit geradezu bestechender Logik, dass Folter zwar ein Ausdruck von entfesselter Brutalität sei, jedoch nie über die Grenzen der Menschlichkeit hinausgehen könne, da die Entfesselung stets eine Berechnete ist. „Wenn überhaupt ist Gewalt durch Folter“, so El Ouassil in ihrem versöhnlichen Fazit, „nur disziplinierte  Unmenschlichkeit.“ (Vgl. Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung und den „Verstand ohne Leitung eines anderen“, das von der Bevormundung befreite bürgerliche Subjekt).

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